Forum

Sehende f[hlt sich zu sehr verantwortlich, was tun?

Andere

DerTorz

#1 ·

2 likes
Hallo zusammen!
Dieses Forum wurde mir von einem Freund empfohlen, danke an Dich, falls Du das liest. Vielleicht ist hier jemand, der meine Erfahrungen teilen kann und im besten Fall sogar Ideen hat, wie man damit umgehen kann.
Also, zum Thema: Ich bin vollblind und habe mich im vergangenen Jahr sehr gut mit einer Sehenden angefreundet. Wir teilen extrem viele Interessen miteinander, haben denselben, oft etwas speziellen Humor und unternehmen sehr viel gemeinsam. Letzteres meinte bisher eigentlich immer nur Tagesausfluege, neulich sind wir aber zum ersten mal miteinander verreist. Und da veraenderte sich dann doch ein bisschen was in unserer Dynamik.

Vielleicht sollte ich vorher noch erwaehnen: Einer der Wesenszuege, die ich ganz besonders an ihr schaetze, ist ihre Empathie, ihr aufmerksamer Blick auf die Welt um sie herum und ihr ehrliches Interesse daran, wie es mir und anderen geht. Das wird gleich wichtig. Die ersten Tage unseres Staedtetripps liefen ziemlich gut, eigentlich wie erwartet. Wir erkundeten gemeinsam die fremde Umgebung, lachten, staunten und genossen. Dann allerdings begann die Situation zu kippen, sie war zunehmend gereizt und ungeduldig, kleine Sachen, die vorher nie ein Problem gewesen waren, wurden auf einmal zu grossen Themen und die Grundstimmung wurde fuer uns beide zunehmend schlechter. Irgendwann meinte sie, sie brauche jetzt einfach mal eine Pause, ich muesse mich jetzt einfach mal fuer mich beschaeftigen und sie wolle ein paar Stunden in Ruhe fernsehen.
Natuerlich, jeder braucht mal eine Pause, aber dieses relativ unvermittelte Kippen hat mich irgendwie schon sehr nachdenklich gemacht. Daher sprach ich sie spaeter nochmal darauf an und erkundigte mich nochmal explizit, weil ich das Problem besser verstehen wollte: "Ist es Dir gerade einfach zu viel anderer Mensch oder explizit zu viel Torz?" Und sie darauf: "Es ist mir einfach zu viel Verantwortung".
Anscheinend habe ich sie an einem Punkt getriggert, den wir beide so nicht auf dem Schirm hatten, wohl, weil sie durchaus viel Kontakt zu Blinden hat und unsere Tagesaktivitaeten ja immer gut funktioniert hatten. Wenn sie mich permanent um mich hat, scheint sie eine enorme Last aus Verantwortung zu spueren. Natuerlich hat sie die teils durchaus real, sie schaut ja fuer mich mit, liest mir Beschilderungen vor und so weiter, aber sie kann wohl viele Alltagssituationen nicht einfach so geschehen oder stehen lassen. Sie meinte zum Beispiel, es sei fuer sie nur schwer ertraeglich, mir beim Fruehstueck zuzusehen. Warum? Naja, es kommt nun einmal bisweilen vor, dass man, wenn man zum Beispiel Joghurt gegessen hat, einen Klex auf den Teller befoerdert hat. Und wenn man dann etwas auf dem Teller sucht, dann langt man da halt schon mal versehentlich hinein. Nicht weiter schlimm, wuerde ich sagen, wozu gibt es denn Servietten und oben auf dem Zimmer fliessend Wasser, aber sie kann dabei kaum zusehen. Oder wir stehen an einer Mauer, vielleicht so 30 cm breit. Ich habe mir eine Flasche Wasser gekauft und will die in meine Tasche stecken. Dazu stelle ich die Flasche auf die Mauer, so dass sie etwa mittig darauf steht, nach beiden Seiten ist also Platz. Und waehrend ich die Flasche so einpacken will, wird sie schon ganz hecktisch - die Freundin, nicht die Flasche -, weil sie die ganze Zeit Angst hat, ich koennte die Flasche jeden Moment versehentlich von der Mauer schupsen. "Ohne Dich beleidigen zu wollen: es fuehlt sich manchmal fast so an wie damals, als ich mal auf meinen ein-jaehrigen Neffen aufpassen musste, damit war ich aehnlich ueberfordert".
Nachdem ich ihr ein wenig Ruhe gelassen hatte, ging es am naechsten Tag dann auch wieder, aber auch da gab es dann wieder so eine Situation, die glaube ich sehr gut zeigt, wo das Problem ist. Wir fuhren auf dem Rueckweg noch zu einem Wasserfall, ein netter Kontrast zu der Urbanitaet der letzten Tage. Auf dem Weg mussten wir einen kleinen Bach ueberqueren. Ich schaetzte nun aber die Entfernung falsch ein und landete knapp nicht auf der anderen Seite, sondern im knoecheltiefen Wasser. Nicht weiter schlimm, fuer mich. Sie dagegen machte sich nun furchtbare Vorwuerfe, allein schon, weil sie sich vorstellte, wie das nun auf Fremde wirken musste: "Wenn die uns jetzt sehen, und Dich mit Deinen nassen Hosenbeinen, dann werden sie sich doch fragen 'wie konnte sie da nur so unaufmerksam sein, dass sowas passiert ist, wie konnte sie ihn ueberhaupt zu sowas mitnehmen, ...'". Ich versuchte ihr natuerlich gut zuzureden: "Das sind aber Leute, die Dich nicht kennen, und nur weil sie Dich nicht kennen, koennen sie ueberhaupt sowas von Dir denken", aber es funktionierte nicht. Sie fuehlte sich schlecht fuer meine Tollpatschigkeit, deren Folgen mir selbst eigentlich kaum was ausmachten. Diese Aufmerksamkeit, diese Empathie, die ich an ihr so mag, hat hier also ihre Kehrseite.
Nun frage ich mich natuerlich: Haben andere in solchen blind/sehend-Verbindungen schon aehnliche Probleme gehabt? Und wenn ja: Habt Ihr irgendwelche Moeglichkeiten gefunden, damit umzugehen und das Ganze ein wenig zu entschaerfen? Ich fuerchte halt, dass wohl vor allen Dingen ich etwas tun muss, denn dieses Problem scheint wirklich tief in ihr verankert zu sein. Wir starten naechste Woche in eine zehntaegige Urlaubsreise, die wir schon lange vor der Erfahrung von neulich geplant haben. Sie abzusagen, kommt fuer uns beide nicht in Frage, aber gerade vor diesem Hintergrund waere es natuerlich wichtig, dass wir versuchen, potenziell schwierige Momente nach Moeglichkeit zu minimieren. Klar, das wird nicht zu 100 Prozent funktionieren, da prallen halt einfach eine Behinderung und eine Mentalitaet aufeinander und dafuer kann ja keiner von uns beiden irgendwas, aber einfach nur "is hat so" zu sagen und die Spannungen als gottgegeben hinzunehmen, kann es ja auch nicht sein. Manches habe ich mir schon selbst ueberlegt. Wir haben auf unserer Reise etwa an fastallen Orten Ferienwohnungen mit eigenen Zimmern. Und wenn wir von unseren Aktivitaeten in unsere Unterkunft kommen, werde ich mich standardmaessig erst mal auf mein Zimmer begeben. Wenn sie dann noch was mit mir machen will, geht das jederzeit gern, aber dann muss eben sie die Initiative ergreifen und aktiv zu mir kommen. Das koennte vielleict helfen, Naehe und Abstand so zu regulieren, dass sie sich wohl fuehlt und nicht erst dann etwas sagt, wenn es eigentlich schon zu spaet ist.
Aber vielleicht gibt es hier noch weitere Ratschlaege und Ideen? Ich waere extrem dankbar fuer irgendwelche Tipps, die das Ganze etwas vereinfachen. Einmal fuer mich selbst, aber vor allen Dingen in ihrem Interesse, denn es machte mich wirklich ungluecklich zu sehen, dass sie die gemeinsame Zeit durch dieses Thema wohl nicht ansatzweise so geniessen kann wie ich.
Danke im Voraus fuer Eure Antworten!

Jonathan

#2 ·

1 likes
Hi, ein interessantes Thema. Da Elten ja doch eher ein nieschiges Forum ist, was ja erstmal nichts schlechtes ist, würde ich dir das Subreddit r/blind empfehlen wollen. Ich könnte mir vorstellen da bekommst du ein Breiteres Feedback von mehr Menschen, als hier.
Ich wünschte ich könnte dazu jetzt mehr sagen, aber ich glaube da fehlt mir leider ein wenig Lebenserfahrung. Ich persönlich sehe das so ziemlich wie du. Die Dinge, die du beschreibst, gehören halt einfach dazu und ich finde eine Begleitperson muss, bis zu einem Gewissen grad, der hier auf jeden Fall nicht überschritten ist, auch damit umgehen können.
Ich hoffe du bekommst hier noch weitere Hilfreichere Antworten :D

Janagirl

#3 ·

Hi,
also ich habe da leider auch noch keine Erfahrungen gemacht, aber ganz ehrlich, man kann es wirklich übertreiben. Da geht ja nun wirklich die Welt nicht unter, wenn man mal versehentlich in Joghurt langt. Also ganz ehrlich.
Auch ich wünsche dir, dass du noch hilfreiche Antworten erhalten wirst. Ehrlich, ich wüsste auch nicht, wie ich mit so etwas umgehen würde.
Gruß von Janagirl!

Ch

#4 ·

1 likes
Transcription

Ja, da hilft glaube ich nur miteinander reden. Also ich meine, du kannst ja nur versuchen halt nicht zu kleckern und irgendwie müsst ihr versuchen das so auszubalancieren, dass sie vielleicht, das ist glaube ich dann auch nur Übungssache, dass sie halt auch ruhiger wird, wenn sie dich führt oder sonst was macht. Oder dass sie da für sich halt eine innere Ruhe einbringt und dass sie das irgendwann dann nicht mehr so stört mit der Verantwortung, weil sie halt einfach dich dann auch besser kennt. Also da ist sie dann dementsprechend am Zug, du kannst halt ja auch nicht aus deiner Haut, ich meine, wenn du dich halt irgendwie bekleckerst, dann ist das dann halt... Das ist halt passiert. Und es gibt halt nicht nur Blinde, die sich bekleckern, also wir haben da kein Monopol drauf. Und das Einzige, was du machen kannst, ist halt versuchen, was nicht mehr zu tun, aber irgendwo muss man ja auch Spaß beim Essen haben, sage ich mal. Und wenn man sich da 20 Minuten quasi megamäßig durchkonzentriert, um wirklich nur ja nicht zu kleckern, das ist ja dann auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Und das ist dann für dich auch anstrengend, wie verrückt. Und das mit den Freiräumen lassen, das ist natürlich auch eine gute Idee mit den Zimmern, dass ihr dann einfach euch gegenseitig absprecht, dass ihr dann einfach Ruhe habt. Aber ich glaube, das mit der Verantwortung, das legt sich dann mittlerweile mit der Zeit, je besser ihr euch kennt. Und ansonsten hilft einfach nur miteinander reden. Weil es bringt es, du kannst ja dann nichts verändern. Und zu den Leuten, da braucht man halt wirklich ein dickes Fell, weil die Leute sind bemerkenswert kompetent, wenn Blinde und Sehbehinderte irgendwie zusammen auftreten, sind da bemerkenswert kompetent. Und die sehen dann halt... Anzusehen, was er alles falsch gemacht hat. Und ja, da muss man dann als Sehender einfach drüberstehen. Also es ist wohl halt noch, auch teilweise heutzutage noch unheimlich, was da, wie manche Leute halt glotzen, wenn ein Blinder und ein Sehender halt den Raum betreten. Das ist stellenweise sehr interessant. Ja, und da musst du dann einfach ein dickes Fell kriegen. Weil es gibt halt hin und wieder Situationen. Ähm, wo da irgendwie bei manchen Leuten Irritationen entstehen könnten. Ja, dann ist das halt so. Ähm, ja, da muss man einfach drüber. Also, oder wir hatten auch Situationen, da, da, da wollten Leute die Polizei rufen, weil wir auf dem Behindertenparkplatz gestanden haben, weil der ist ja nur für Rollstühle. Und solche Geschichten. Also da, das sind dann einfach Sachen, ähm, mit denen man lernen muss zu, äh, zu, zu leben. Und dann halt auch... Und dann auch, äh, einfach, äh, einfach auch mal herzlich drüber zu lachen, weil, äh, manche Leute sind da einfach so, so dermaßen, äh, fühlen sich dann so dermaßen, ähm, weiß ich nicht. Ähm, ja, das ist, also da, da gab's schon, gab's schon sehr, sehr, sehr interessante Situationen. Und, äh, da muss man dann halt auch lernen drüber zu stehen. Und auch wenn Leute halt gucken wie ein Auto, wenn, wenn du dann halt dich mit Joghurt bekleckert hast, dann, dann ist das... Das ist halt ein, ein, weiß ich nicht, ein Kuriosum. Also, es ist, trotz, irgendwie auf einer Art ist es traurig, dass die Leute da hingucken, als wenn da ein Orang-Utan sitzt. Oder die Leute, die Leute klingt so, als würde ich das sagen, alle, äh, auf alle, ähm, Münzen. Aber, äh, die dementsprechenden Personen, die das tun, ja. Und, ähm, ja, das, das war's eigentlich von mir. Also, ja, das ist, ja, genau.

DerTorz

#5 ·

1 likes
Danke Euch für die bisherigen Antworten! Schön auf jeden Fall schon mal zu hören, dass Ihr meinen Teil an der Situation nicht irgendwie für grundfalsch erachtet oder sowas.
Natürlich haben wir über das Thema schon geredet, das war uns beiden sehr wichtig und an sich durchaus auch konstruktiv, ohne dass wir dem jeweils Anderen irgendwas vorgeworfen hätten. Und ich meinte auch schon, dass sie da wohl einfach etwas entspannter werden müsse und dass das sicher mit der Zeit auch passieren würde. Sie antwortete lapidar: "Vergiss es, das krieg ich nicht abgestellt". Nun neigt die Gute im Allgemeinen recht häufig dazu, sich zu unterschätzen, daher denke ich schon, dass es da irgendwann eine Weiterentwicklung geben wird, aber diese Dogmen sind offenbar halt schon sehr tiefsitzend. Daher möchte ich ihr eben so gut wie möglich helfen, sie abzulegen oder zumindest abzumildern, eben weil es für sie wohl sehr schwer sein dürfte, sie abzulegen.
Ich bin gespannt, was da noch so kommt und werde es wohl wirklich mal parallel auf Reddit versuchen.

Irroadium

#7 ·

3 likes
Hi, ich hatte tatsächlich schon ähnliche Erfahrungen. Bei mir war es nie in diesem Ausmaß, aber ich war lange Zeit mit einer Sehenden befreundet, die immer extrem nervös war, wenn sie mich geführt hat. Einmal waren wir vertieft in ein Gespräch und ich bin gestolpert, weil ich nicht richtig mit dem Stock geschaut hatte und somit eine Stufe übersehen habe. Sie hat sich danach extreme Vorwürfe gemacht und das Problem bei sich gesehen, aber ich erwarte nicht, dass meine Begleitperson bei jeder Unebenheit im Boden bescheid sagt. Ich habe dann natürlich versucht, ihr zu erklären, dass sie sich keine Gedanken machen muss, aber wirklich beruhigt war sie danach nicht. Auch mit anderen Freunden hatte ich schon ähnliche, kleine Situationen. Ich stimme den bisherigen antworten auf jeden Fall in dem Punkt zu, dass es viel Zeit und Kommunikation braucht, bis die Person sich daran gewöhnt und entspannter an die Sache herangeht. Vor allem solltest du ihr klarmachen, dass du sie als Freundin magst und nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihr stehen willst. Viele Sehende sind der Meinung, dass die Freundschaft mit einer blinden Person immer automatisch Extraaufgaben beinhaltet. Ich habe es meiner Freundin damals so erklärt, dass ich ihr zwar sehr dankbar bin, wenn sie mich führt, dass ich aber grundsätzlich auf mich selbst achten kann und sie fragen würde, wenn ich zusätzliche Hilfe bräuchte. Ich hoffe, meine Antwort hilft ein bisschen.
To infinity and beyond!

dennishelbig

#8 ·

Transcription

so hallo jetzt auch noch mal hier meinen senf zu diesem thema ja also ich muss sagen ich hatte schon beides ich hatte auch schon mal echt eine gruppe von sehenden leuten mit denen ich im urlaub zu tun hatte die haben mich zu auch geführt aber ich weiß nicht das war so ganz selbstverständlich so man hat mich zu geführt aber ich habe halt genauso mitgemacht oder war genauso verantwortlich wie jeder andere auch aber ich hatte halt sowas auch vor allem in der in meiner berufsschulzeit bei der ausbildung von der date hatte ich sowas auch schon extrem oder leute echt wir versucht haben die treppen hoch zu helfen wo ich dann gesagt habe leute das kann ich alleine und ich muss dann immer so ein bisschen aufpassen dass ich da nicht wütend werde weil ich will halt auch nicht so rüberkommen als könnte ich irgendwie nix wenn ich kann ja was und das können sind ja die meisten blenden so und also ganz ehrlich ich glaube halt es ist es wäre nicht gut wenn du quasi wenn deine höchste priorität wäre es ihr recht zu sagen weil ich glaube da würdest du dich halt einfach viel zu viel verstellen ich glaube was er wirklich gutes ist viel kommunikation und viele beispiele und ja wirklich auch so ein ding so dass du dich darauf fokussiert dass ich weiß nicht du ja halt zeigst du von dir aus dass du kannst du ja überhaupt geste денег gut ist es hat und das ist ja auch das ist ein solches bisschen also etwas auf die mann da zu kommen und da ist natürlich auch auch schön die vorstellung dass du halt kurz probieren kannst dass du da also gerade leuchtet die die dann halt 80 grad ab und da ist so wie es innocence dass du nicht darüber vorstellst was so aussehen wird also da wird das ist einfach nur so ein bisschen dass du dann auf dich zukommt und du nicht ganz so präsentes au oder präsent bist auch Ich muss schon sagen, also dieser Satz von wegen, ach keine Ahnung, ich habe das genauso gefühlt, als wenn ich auf ein Kind aufpassen müsste, das ist schon heftig. Also ich würde sagen, das braucht viel Kommunikation und du musst dich manchmal auch selber, glaube ich, so ein bisschen, ja, es braucht auch viel Geduld auf deiner Seite, glaube ich auch. Ja, weil ansonsten kann das halt ganz schnell zu was Ungesundem führen, dass du dann nur damit beschäftigt bist, so im Kopf, so von wegen, es ihr irgendwie recht zu machen, so wenig wie möglich halt Dinge anders zu machen, wie sie, sondern alles gleich zu machen, was halt auch nicht so eine gute Idee ist. Und von dem her, ja, nee, genau. Nee, so ist es. Right. Ähm, ja, ansonsten, ja, ich bin mal gespannt, was auf Trade dazu kommt und ja, wie gesagt, ich würde mir halt echt überlegen, ja, was, ich meine, du kannst ja vieles gut, wo du niemanden sehenden brauchst und ich würde das halt einfach sagen, ja, hier, keine Ahnung, vieles musst du ja gar nicht machen und was weiß ich. Aber ich kann das schon sehr gut verstehen, dass dich das irgendwie auch in einer gewissen Weise trifft, würde mich genauso treffen, also, ja. Nee, wünsche ich dir auf jeden Fall viel Glück.

404, Elten Signature not found.

Jonathan

#9 ·

Transcription

Ich finde halt, es kommt so ein bisschen darauf an. Also eine sehende Person muss für mich schon eine gewisse Ernsthaftigkeit in der Situation haben und muss halt auch sich der Verantwortung bewusst sein, dass sie natürlich nicht für jede meiner Bewegungen verantwortlich ist, um Gottes Willen, aber halt mich nicht einfach irgendwo stehen lässt. Also ist jetzt sicherlich auch teilweise mit dem Alter geschuldet, aber ich war halt auch mal mit Leuten vor ein, zwei Jahren in einem Aldi was glaube ich oder Lidl, ist ja auch scheißegal, Discounter und es sind ja einfach diese kleinen Dinge, wo es zum Beispiel so ist, die Caron, dieses Kassengerät, wo du bezahlen musst, halt mit Karten, die einen Kartenreader. Zu finden und so Zeug, wo die halt daneben stehen und nichts machen, wo ich mir denke, also es geht jetzt vielleicht ein bisschen am Thema vorbei, aber um meinen Punkt klar zu machen, wo ich mir denke, das ist so eine Situation, da hilfst du halt einfach so und da natürlich, da sollst du Awareness haben und das ist halt auch für mich, also für mich ist es auch richtig, ich finde es nicht geil, wenn die Leute dann halt daneben stehen und sich so denken, oh ja, haha so. Oder auch halt nur auf Sicht achten und nur auf ihr Interesse und dich halt irgendwie, dann, du bist halt dabei und du wirst dann halt aktiviert, wenn es sozusagen, also für mich muss eine Person schon einen gewissen Rat haben von, ja, ich gebe Acht und ich sage dir Stuff. Aber ja, klar. Ich hatte auch schon Leute, die haben mir jede Stufe gesagt und ich denke mir so, ich habe einen Stock, also das denke ich mir auch jedes Mal, wenn mich irgendwer am Bahnhof durch die Gegend zieht, wo ich mir denke, ich habe einen Stock, die Leute können mich sehen, du hast mich nicht auszuweichen oder du hast mich nicht, sondern das ist meine Sache, also ja, das ist ein schwieriges Thema, definitiv, aber wie schon gesagt, ich meine, ich habe ja auch auf Reddit schon einige Antworten auch gesehen, dass ich durchaus zustimmen kann und ich glaube, das ist halt einfach, ja, eine Sache, eine Sache der Zeit und natürlich auch, wie viel da jetzt jeder rein investieren kann und möchte, aber es kann, also es kann, kann auf jeden Fall gut ausgehen und ich habe schon gesagt, ich wünsche auf jeden Fall viel, viel Erfolg auch weiterhin, kannst uns auch gerne up to date halten, wenn es da was zuzusagen gibt, natürlich, wenn du dich dabei wohlfühlst, weil es würde mich schon interessieren, ob man, ja, ob sowas, sagen wir mal, Erfolg haben kann oder ob sich Leute da darauf einstellen, ja, ne, weiß ich nicht, es hat viele Aspekte, das Thema, auch wie man so Sachen einfach kommuniziert und wie die Leute drauf sind und charakterlich drauf sind und ja.

DerTorz

#10 ·

1 likes
Nur, dass es da nicht zu Missverständnissen kommt: Sie lässt mich schon alles machen, es ist ihr rational wohl völlig klar, dass ich das eigentlich allein schaffen muss. Und wir teilen uns die Aufgaben schon auch ein, das ist mir auch selbst wichtig. Für den Urlaub, der just heute beginnt, hab ich zum Beispiel die gesamte Planung und Organisation im Vorfeld übernommen, also Züge gebucht, aktivitäten organisiert, Anschlussverbindungen in den örtlichen ÖPNV-Netzen recherchiert und so weiter. Da bestehe ich selbst drauf, weil ich eben nicht bloß Nehmer sein will.
Das Ding ist also nicht, dass sie mich nichts machen ließe, da könnte ich ja relativ schnell intervenieren. Sie lässt es erst mal geschehen, muss sich dabei offenbar teils ungeheuer zusammenreißen, und diese Anspannung äußert sich dann eben nicht im Moment selbst, sondern später, indem sie eben zum Beispiel wesentlich stressempfindlicher ist als üblich. Das macht es ja eben so schwer, weil ich oft gar nicht weiß, dass sich da gerade wieder was aufbaut. Und das Schlimme ist: Sie merkt es oft selbst nicht rechtzeitig. Überlastungen erkennt sie oft erst dann, wenn sie sich schon heftig auswirken, nicht nur auf mich bezogen, sondern auch ganz allgemein, zum Beispiel auch auf der Arbeit. Da musste es erst zu einem Burnout kommen, bis sie mal etwas kürzer trat, und das fällt ihr bis heute schwer.

DerTorz

#11 ·

1 likes
Das, was Du beschreibst, funktioniert bei uns tatsächlich sehr gut. Klassisches Beispiel: Wenn wir in Städten mit Straßenbahnschienen unterwegs sind, sagt sie mir inzwischen automatisch, wenn wir eine Straße mit Gleisen überqueren. Das ist wichtig zu wissen, weil sich die Stockkugeln da gern mal verfangen und bei Befreiungsversuchen manchmal sogar abbrechen, ist mir mal in Kassel passiert. Sowas klappt einwandfrei und ist dann auch kein Thema.

jriehl

#12 ·

3 likes
Hallo Torz,
vielen Dank für deinen Post. Ich schreibe dir, weil ich eine sehr ähnliche Dynamik selbst erlebt habe. Ich bin selbst nicht vollsehend, aber es reicht aus, um andere zu begleiten, zu führen oder auch einem erwachsenen Menschen (in meinem Fall meiner Freundin) bei Dingen wie dem Haarewaschen zu helfen.
Ich kenne das Gefühl, wenn die Verantwortung für das Gegenüber irgendwann „kippt“. Aber ich sehe es wie du: Klare Kommunikation ist das A und O.
Aus meiner Erfahrung heraus möchte ich dir ein paar Punkte mitgeben:

Das Problem mit dem Fremdbild: Deine Freundin scheint sich extrem unter Druck zu setzen, wie ihr beide auf Außenstehende wirkt. Diese Angst, dass andere sie für unaufmerksam halten könnten (wie bei der Bach-Situation), ist ein hausgemachtes Problem. Sie müsste sich davon freimachen, dass „alle sie anglotzen“. Das liegt auf ihrer Seite – sie braucht das Selbstbewusstsein zu erkennen, dass du für dich selbst verantwortlich bist, egal ob die Hose nass ist oder nicht.

Vermeidung von Überforderung: Ich habe selbst erlebt, wie anstrengend es ist, wenn das Gegenüber extrem grübelt, was andere denken, und gleichzeitig sehr fordernd ist. Wenn man dann sanft, aber klar Grenzen zieht, kann das beim anderen zu Abwehr oder sogar Dissoziation führen, was ein Gespräch extrem erschwert. Bei deiner Freundin scheint es noch nicht so weit zu sein, aber der Vergleich mit dem „einjährigen Neffen“ zeigt, dass sie dich unbewusst entmündigt, um ihren eigenen Kontrollzwang zu rechtfertigen.

Dein Plan ist goldrichtig: Die Idee mit den getrennten Zimmern in der Ferienwohnung ist essenziell. Wenn man 24/7 gefordert ist – oder sich selbst so fordert – brennt man aus. Der feste Rückzugsort nimmt ihr die Last, permanent „auf Standby“ sein zu müssen. Sie muss lernen, dass sie erst dann aktiv werden muss, wenn du sie darum bittest oder sie von sich aus auf dich zukommt.

Augenhöhe bewahren: Es ist wichtig, ihr klarzumachen (so schwer das auch fällt), dass ihr „Mitleiden“ oder ihre Scham für deine Tollpatschigkeit dir nicht hilft, sondern dich eher einschränkt. Du bist integer und kommst klar – sie ist diejenige, die lernen muss, die Situation einfach mal „stehen zu lassen“, ohne einzugreifen.
Ich helfe auch gerne, aber wenn man das Gefühl hat, rund um die Uhr in der Verantwortung zu stehen, kann das im Kopf kippen. Ihr braucht beide die Sicherheit, dass du für dich selbst gerade stehst – auch vor den Augen der Fremden.
Viel Erfolg für euren Urlaub und gute Gespräche!
Der Hobbit ruht jetzt unter den Wurzeln von Yggdrasil, doch ihre Freude und Liebe fließen wie das Wasser der heiligen Quelle. Ein Teil unserer Sippe ist aufgebrochen, aber ihr Lachen hallt in den Hallen von Valhalla wider. Möge sie für immer in den Legenden leben, die wir weitertragen. 🗡️

Quatschwelli

#13 ·

und das sind auch die Punkte, die ich immer wieder zur Assistenz auch sage, aber da stoße ich oft auf taube Ohren. auch Dinge, die in die psychologische Ebene gehen wo sie ganz klar sagt, dass sie mir nicht helfen kann das triggert sie ungemein und wenn ich ganz klar sage, dass mir von anderen Seiten jegliche Hilfe verweigert wird wie beispielsweise diverse Ämter, Krankassen,
Ärzte, dann muss ich sagen, dass ihr unter Umständen dieser Job nicht richtig liegt, weil sie nicht richtig filtern kann, zumindest macht das so auf mich den Eindruck. Das Ende davon ist, dass Themen nicht mehr zur Sprache kommen und ich sagen muss, dass es bei diesenThemen mir lieber gewesen wäre, dass mich niemand mehr dahingehend begleitet.
Aber hey, hab es eh bevorzugt, wenn es möglich war, alleine zu Ärzten zu gehen.

DerTorz

#14 ·

3 likes
Hallo und vielen Dank für Deinen Beitrag! Gerade diese Perspektive von der anderen Seite fand ich gerade sehr interessant.
Wir sind seit Sonntag aus dem Urlaub zurück und neben ganz vielen Eindrücken, die wir von unseren Reisezielen mitbrachten, haben wir auch sehr viel übereinander gelernt.
Manches ist echt schon sehr viel besser geworden, etwa die Sache mit dem Fremdbild. Inzwischen kommen von ihr sogar Vorschläge zu Verhalten, das ich mich selbst in der Öffentlichkeit nie trauen würde. Der Kuchen ist bröseliger als erwartet? "Notfalls kannst Du ja die Finger zuhilfe nehmen".
In anderen Situationen dagegen schlägt eben doch ihre große Angst durch, mir könnte etwas zustoßen. Es hat ein Weilchen gebraucht, bis ich sie überzeugen konnte, dass ich mühelos die Treppen am Zug rauf und runter steigen kann. "Weißt Du, ich seh Dich dann schon immer mit gebrochenem Bein an der Bahnsteigkante liegen." Oder sie wurde teils richtig sauer, wenn wir in der U-Bahn saßen und ich schon mal aufstand, wenn unsere Zielhaltestelle angesagt wurde. "Die bremsen hier mit solchem Tempo, das kann echt gefährlich werden". Für mich war das echt schwer, weil ich das eigentlich immer und überall so mache, um nur ja sicher schon zu stehen und aussteigen zu können, wenn die Bahn oder der Bus hält. Das ist also fast reflexartig.
Die Sache ist: Sie meint es damit ja nur gut. Sie macht sich Sorgen um mich, sie will nicht, dass mir irgendwas passiert, und irgendwie berührt mich das natürlich sehr, wenn ich so darüber nachdenke. In den Momenten selbst ist es aber natürlich vor allen Dingen mal lästig, ich fühle mich latent unterschätzt und bevormundet, sie fühlt sich massiv unter Stress gesetzt und das sorgt zeitweilig für eine gewisse Grundgereiztheit. Ich denke, da müssen wir einfach weiter viel miteinander kommunizieren.
Das, muss ich sagen, tun wir aber schon recht gut. Und es hat sich gezeigt, wie wichtig das ist, weil wir sonst teils teilweise gar keine Vorstellung davon haben, wie anstrengend oder schwierig bestimmte Situationen oder Verhaltensweisen für den jeweils anderen sind. Ein Beispiel: In engen Straßen oder auf belebten Plätzen laufe ich oft hinter ihr. Sie hat eigentlich immer einen Rucksack auf dem Rücken und an der hinteren Schlaufe halte ich mich fest. Nun ist das für mich aber oft gar nicht so einfach, weil ich auf mehrere Dinge gleichzeitig achten muss. Ich muss nah genug an ihr dran bleiben, um sie noch verstehen zu können. Ohnehin ist die Position hinter ihr dafür natürlich suboptimal, weil ihr eigener Körper sie ja nach hinten abschirmt, zusätzlich habe ich aber eine Höreinschrenkung, was es nochmal massiv schwieriger macht. Gleichzeitig muss ich weit genug von ihr weg laufen, um ihr nicht allzu oft in die Hacken zu laufen, was trotzdem noch viel zu häufig passiert. Je nach dem, ob ich mich mit der linken oder der rechten Hand festhalte, neige ich logischerweise dazu, zu einer Seite hin auszuschehren. Auch das will ich natürlich nach Möglichkeit vermeiden. Und natürlich muss ich mich gut festhalten, um sie nicht zu verlieren, gleichzeitig muss ich aber darauf achten, ihr den Rucksack nicht irgendwann fast vom Rücken zu ziehen. Das ist für mich also schon ein ziemlicher Stressfaktor, der ihr so aber überhaupt nicht bewusst war. Wir kamen irgendwann im Gespräch darauf und stellten fest, dass weder sie sich offenbar keine Vorstellung davon machte, ich aber gleichzeitig wie selbstverständlich davon ausgegangen war, sie müsse doch zumindest erahnen können, wie es mir dabei geht. Und solche Missverständnisse lassen sich eben nur dann beheben, wenn man darüber spricht. Das Ergebnis ist, dass sie jetzt versucht, solche Engstellen nach Möglichkeit zu vermeiden und ich eher an ihrer Seite laufe.
Und teilweise mussten wir eben einfach noch Erfahrungen machen, aus denen wir dann lernen konnten. Am zweiten Tag unserer Reise hatten wir beispielsweise erstmals die Wohnsituation mit den getrennten Zimmern, und ich machte es genauso, wie ich es angekündigt habe: Ich ging auf mein Zimmer und stellte es ihr frei, jederzeit zu mir zu kommen und etwas mit mir zu unternehmen. Und da sie zu diesem Zeitpunkt noch die Kapazität dazu hatte, machte sie das auch umgehend. Wir verbrachten einen sehr schönen Nachmittag und Abend zusammen, die Stimmung war richtig gut. Bloß: Am Tag danach verließen wir unsere Unterkunft um 10:00 Uhr und verbrachten anschließend den gesamten Tag miteinander, bis um 19:00 Uhr der Nachtzug abfuhr. Die Folge war, dass sie sich zu dem Zeitpunkt, als sie gekonnt hätte, keine Auszeit nahm, aber jetzt, wo sie eine gebraucht hätte, keine bekommen konnte. Und das führte eben wieder zu der berühmten Überforderung, ihre Fehler- und Frustrationstoleranz sank beinahe auf null ab und kleine Fehler wurden fast wie existenzielle Katastrophen wahrgenommen. Mehrfach fielen Sätze wie "Wenn wir das jetzt nicht finden, brechen wir das ganze ab und fahren nach Hause". Wir schafften es dann aber letztlich doch noch irgendwie bis zu unserer nächsten Aktivität, die vor allen Dingen für mich interessant war. Und auf dem Weg von dort zu unserer Unterkunft hatte ich etwas Zeit darüber nachzudenken. Das war einfach nicht die Frau, die ich kannte und die ich so gern mochte, dass ich mit ihr anderthalb Wochen lang durch halb Europa reisen wollte. So aufbrausend, so jähzornig, aber auch so verzweifelt hatte ich sie noch nie erlebt. Sie befand sich offenbar in einem völligen Ausnahmezustand. Und so sehr mich ihr Verhalten auch störte, wirklich böse sein konnte ich ihr deshalb nicht, weil es eben weniger von ihrer wirklichen Art zeugte, als von massiver Überforderung. Und gleichzeitig gab sie sich wirklich Mühe. Die Aktivität, eine Führung bei einem Radiosender, hätte sie ja nicht mitmachen müssen. Sie hätte auch einfach draußen warten oder ein bisschen durch die Stadt spazieren können, so hätten es vermutlich die meisten Menschen in meinem Umfeld gemacht. Aber sie kam mit und blieb bei mir, obwohl sie so überlastet war. Das sagt schon auch was aus, finde ich.
Also traf ich eine Entscheidung: Ich verbringe wahnsinnig gern Zeit mit ihr, aber was hab ich schon von ihr, wenn sie mich nur anmault? Und so schlug ich vor: "Jetzt hast Du so viel mit mir und für mich gemacht. Wenn Du willst, geh einfach mal allein los, die Stadt zu erkunden. Ich bin hier gut beschäftigt, schreib ein paar Freunden, mach was für die Uni oder so. Und wenn Du Dich irgendwo hinsetzen willst, einen Kaffee trinken willst, einfach mal die Stadt ein bisschen auf Dich wirken lassen möchtest, dann mach das. Fühl Dich frei, ich wünsch Dir viel Spaß."
Und so geschah's. Sie kam einige Stunden später zurück und bedankte sich aufrichtig bei mir. Das habe jetzt wirklich extrem gut getan. Und dann ging es auch sofort wieder, sie nahm mich direkt nochmal zu einem Laden mit, den sie unterwegs gesehen hatte, und der Spieluhren verkaufte, sie konnte nun viel souveräner durch die Stadt navigieren, weil sie sich schon einen groben Überblick hatte verschaffen können und so wurde es noch ein richtig angenehmer Abend. Das war uns eine Lehre und so machten wir es dann auch bei unserem nächsten Aufenthalt. Erst mal zog sie allein los, anschließend kam ich mit.
Und auch hier haben wir für die Zukunft etwas gelernt: Beim nächsten mal lieber keine Etappenreisen mehr, sondern lieber fest an einem Ort und von dort aus die Umgebung erkunden. Am besten bis zum frühen Nachmittag anreisen, damit der erste Nachmittag ihr gehört und sie die Stadt schon etwas erkunden kann. Sie fühlt sich danach viel sicherer und das ist nicht nur ihr, sondern auch unserer Dynamik sehr zuträglich.
Und wenn man all sowas weiß, wenn man anerkennt, dass wir eben beide spezielle Bedürfnisse und Schwierigkeiten haben, für die wir jeweils nichts können, wenn wir miteinander über sowas reden, uns ehrlich rückmelden, wenn uns gerade etwas missfällt, und dann beide nach Lösungen oder Verbesserungen suchen, dann kann es durchaus so ein nächstes mal geben. Und das wurde übrigens von ihr ins Spiel gebracht, was mich dann natürlich auch freute. Und am Ende konnten wir beide sagen, dass es bei allen Herausforderungen doch ein schöner Urlaub war.

Njohn

#15 ·

Transcription

Hallo und guten Abend. Ich möchte es noch mal aufgreifen. Ich glaube, dass das ein Ding ist, woran wir Blinden auch manchmal so an unsere Grenzen stoßen, aber eben auch die Sehenden. Ihr müsst immer bedenken, dass der Sehende sich einfach nicht 100 Prozent in den Blinden reinversetzen kann. Es ist einfach nicht möglich. Was aber nicht heißt, dass es nicht zu ein paar Prozent geht. Ich will es mal so formulieren. Es gibt einfach Blinde, die haben ein Ding, was man, glaube ich, nicht so einfach findet. Dass man merkt, okay, dass man merkt, ja, man muss halt so ein bisschen, man muss ja vertrauen können. Das ist immer das Erste. Oberflächlichkeiten gehen bei uns Blinden einfach. Dann geht es weiter. Inwiefern möchte das denn die andere Person? Also wie weit lässt die das zu? Führt die dich? Unterhält sie sich mit dir? Oder, oder, oder, oder. Wenn man das jetzt allerdings weiterdenkt, finde ich es gerade in deinem Fall schon relativ krass, weil die natürlich da, also es wirkt ja schon sehr so, dass sie sehr auf Dinge bedacht ist. Manche sind ja dann ein bisschen, ich will mal sagen, anders draufsehende, sagen, ist nicht schlimm. Ich bin zum Beispiel jemand, ich entschuldige mich immer für alles Mögliche, wo dann schon Sehende zu mir sagen, musst du nicht. Das ist doch alles für Blinden alles nicht in Ordnung. Was das Hören angeht, muss man auch vertrauen können. Nun habe ich das Ding, dass ich, sage ich mal, ab einer bestimmten Körpergröße echt Probleme kriege. A musst du hochgreifen und B kannst du die Statur von so Leuten nicht abschätzen. Wenn du sie nur siehst, wenn du hörst, woher die Stimme kommt. So und dann geht es ja weiter. Dann muss man wissen, was will man denn? Also wenn das eine Freundschaft zum Beispiel ist, dann muss das wirklich, dann muss das Vertrauen auf beiden Seiten sein. Da geht es dann nicht darum, plötzlich nur, ja, mal so, mal so, sondern man muss wirklich miteinander können. Und nur dann klappt es dann auch einigermaßen. Was natürlich nicht geht, ist, dass der Sehende plötzlich von dir Dinge verlangt, die einfach nicht gehen, also unmöglich sind. Was du allerdings auch nicht, was viele Blinde gerne mal das Problem kriegen, dass sie sehr viel verlangen. Ein Eindruck habe ich immer. Und dann erwarten, dass der Sehende es genauso zurückgibt. Leute, wir müssen einfach dankbar für jedes Fitzelchen Inklusion sein, was es gibt. Und dass man nicht immer in der sehenden Welt gut ankommt, da muss man nicht mal einen scheiß Charakter für haben. Die Erfahrung durfte ich schon mehrmals machen. Da wurde mir dann gesagt, ja, es ist einfach, wir sind nicht bereit, da irgendwie was zu machen. Also du bist blind, das bedeutet mehr Aufwand. Es gibt dann aber auch Leute, die mit den Macken von jemandem klarkommen und sich dann auch wirklich, wirklich, wirklich damit auseinandersetzen wollen. Heute habe ich mit meiner Erdkundelehrerin das Thema gehabt, dass ich ja nächste Woche in der Stufe 11 bin und da jemand drin ist, den ich von der Romfahrt her kenne, der ist verflixt lang geraten. Also groß geraten, der ist bald zwei Meter, der Johann. Ich habe gesagt, das hat zwar in Rom geklappt, aber jetzt, ich war dann echt ein bisschen respektvoll. Dann haben wir da länger drüber gesprochen. Dann ist die den im Deutschgrundkurs bei Frau Schäfer holen gegangen, damit man das besprechen konnte, damit ich diese Ruhe kriege. So, so funktioniert Inklusion, wenn man sich darauf einlässt, aber eben auch ganz klar sagt, ja, das musst du jetzt mal hinkriegen. Und mir war das auch, für mich war das auch in Ordnung. Wichtig ist immer, den Sehenden nicht zu sehr belasten, aber dich auch nicht ausnutzen lassen. Und bei Sehenden muss man manchmal nicht alles verstehen. Ich glaube, die verstehen uns teilweise auch nicht. Und seid wirklich dafür dankbar, wenn ihr sehende Leute habt im Freundeskreis und genießt es. Und ich habe festgestellt, man darf nicht immer Danke sagen oder sich so krass bedanken, weil sonst kommt das für die Leute rüber, dass man noch mehr will. Aber das ist ja vielleicht gar nicht so. Aber das ist ja vielleicht gar nicht so. Aber das ist ja vielleicht gar nicht so. Aber das ist ja vielleicht gar nicht so.